VFL -Chronik


Wie in anderen Vereinen fing auch beim VfL Brackenheim einmal alles klein an. Verschiedene Generationen führten den VfL Brackenheim in den vergangenen 125 Jahren. Es gab Erfolge und Misserfolge, es war wie überall nicht alles Gold was glänzte.

Heute hat der VfL mit einer großzügigen Sportanlage und der Sportgaststätte Voraussetzungen , die eine optimale Sportförderung ermöglichen. Über die Entwicklung, das Auf und Nieder, hatte sich einst Dr. Aßfahl in der Jubiläumsschrift befasst, einiges davon sei hier noch einmal aufgegriffen.

Die Gründung des Brackenheimer Turnvereins hing damals mit Bestrebungen der württembergischen Regierung zusammen, den Turnunterricht an den höheren Schulen zu reorganisieren und zu intensivieren. Diese Bestrebungen wurden im Jahr 1863 in der Turnordnung für die dem königlichen Studienrat unterstellten öffentlichen Unterrichtsanstalten niedergelegt. Das Turnen wurde an den höheren Schulen, den sogenannten „Gelehrten- und Realschulen“ als ordentliches Schulfach für alle Schüler ab dem
10. Lebensjahr festgesetzt. Vier Wochenstunden gab es während des ganzen Jahres. Die Übungen setzten sich aus Ordnungs- und Freiübungen, Leichtathletik, Lauf, Sprung, Weitwurf, Zielwurf, Ringen, Geräteübungen am Reck, Barren, Schwingel, Klettergerüst, Schwimmen, Schlittschuhlaufen im Winter, Fechten und Exerzieren zusammen.

Im Winter wurde im Raum des „Alten Kirchles“ im Schloss geturnt
An der Brackenheimer Lateinschule war das Turnen immer schon gepflegt worden. So soll in der Zeit des Präzeptors Adam (1842 bis 1851) eine Stunde Turnen im täglichen Stundenplan aufgenommen worden sein. Dafür war an der Ecke der Straße nach Stockheim ein Turnplatz (ein sogenannter Turngarten) mit allerlei Turngeräten ausgestattet. Dort wurde in den Sommermonaten tüchtig geübt, während im Winter in dem Raum des „Alten Kirchles“ im Schloss, wo heute das Kulturforum seine Veranstaltungen abhält, geturnt wurde.

Professor Jäger gab den Anstoß zur Gründung des Turnvereins

Der Höhepunkt für die Turnerschaft der Brackenheimer Lateinschule war das große Turnfest in Heilbronn. Anlässlich der Übernahme der neu erstellten Halle 1876 durch den Vorstand der Turnlehrerbildungsanstalt, Professor Dr. Jäger aus Stuttgart, fiel offenbar das entscheidende Wort, was zur Gründung eines Turnvereins führte. Professor Jäger legte in seiner Ansprache den jungen Leuten Brackenheims die Gründung eines solchen Vereins ans Herz. Kurz danach - es war der 3. Juli 1877 - versammelten sich etwa 50 junge Männer in der neuen Turnhalle in der Absicht, einen Turnverein zu gründen. Man war sich rasch einig und wählte den Unterlehrer Friedrich Kohler als Vorstand und den Verwaltungskandidaten Hermann Wendel als Kassier und Schriftwart.

Zum Start hatte der Verein 46 Mitglieder

Am 5. Juli 1877 hat sich in einer weiteren Versammlung der Verein mit 46 Mitgliedern konstituiert. Kurz darauf waren auch die Vereinsstatuten aufgestellt; sie zeigen, dass man auf genaue Beachtung der übernommenen Turnerpflichten bedacht war. 14- bis
17-jährige konnten als Turnzöglinge aufgenommen werden, wer älter war, galt als aktiver Turner. An zwei Abenden in der Woche wurde geübt. Wer unentschuldigt fehlte, hatte 10 Pfennig als Geldstrafe zu bezahlen.

Um für die Sache des Turnens zu werben, fand 1883 in Brackenheim unter der Vorstandschaft von Konditor Bossaller ein Volkswettturnen statt. Die Übungen bestanden
im Steinheben, Steinstoßen, Wettlaufen, Wettspringen und Ringen. Ein Festzug
von 180 Turnern aus Heilbronn, Marbach, Neckarsulm, Vaihingen, Weinsberg, Bietigheim, Lauffen und Ludwigsburg und die Brackenheimer Lateinschüler eröffneten den Wettkampf. Man hätte erwarten sollen, dass der Turnverein dadurch großen Zuwachs bekommen würde, da im Jahr 1882 auch an den Volksschulen der Turnunterricht verpflichtend eingeführt und die Absicht laut wurde, die Militärzeit für besonders gute Turner von drei auf zwei Jahre herabzusetzen. Das Gegenteil war der Fall.

1883 erstmals kurz vor der Auflösung

Ab dem Jahr 1883 nahm die Mitgliederzahl bedenklich ab, und der Vorstand erwog zunächst die Frage, ob es nicht besser sei, den Turnverein ganz aufzulösen. Doch
der neugewählte Vorstand, Konditor Karl Bossaller, verlor den Mut nicht und brachte den Verein zusammen mit dem Schriftwart Paul Weller, dem späteren Cleebronner Schultheißen, und einigen treuen Mitarbeitern wieder in die Höhe. Als im Jahr 1885 der allbekannte und als Turner hoch geschätzte Präzeptor Baitinger die Vorstandschaft für die nächsten 20 Jahre übernahm, waren die Schwierigkeiten überwunden, und das Vereinsleben blühte bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wieder auf.

Aus Sportlern wurden Turn-Feuerwehrleute

Im Jahre 1884 wurde aus Mitgliedern des Vereins eine Turnerfeuerwehr gebildet, eine bei den zahlreichen Bränden jener Zeit nützliche Einrichtung. Ein Fest besonderer Art war die Fahnenweihe des Vereins im Jahre 1886. Das Fest wurde im großen Stil aufgezogen, und die Stadt und der Festplatz in der Allee waren reich geschmückt. Es dauerte immerhin noch bis ins Jahr 1910, ehe der von inneren Schwierigkeiten erschütterte Verein wieder aktiv in Erscheinung trat. Jetzt wurde wieder regelmäßig geturnt; Zucht und Ordnung waren wieder eingekehrt, und die Zahl der Mitglieder stieg über 70, darunter 12 aktive Turner und eine Musterriege von zehn Mann. Im Jahr 1909 errang der Verein beim Kreisturnfest in Heilbronn sogar einen zweiten Platz in der zweiten Stärkeklasse und konnte seine Stellung beim Gauturnfest in Schwaigern halten. Zur Musterriege gehörten Emil Kohler, Friedrich Sammet, Richard Jung,
Robert Brändle, Ernst Kühner, Gottlieb Jäger,
Friedrich Hohenstein und Ebinger errang wiederum einen zweiten Preis, ja ein Jahr später gelang es ihr sogar, beim Fest in Sontheim einen ersten Preis nach Hause mitzubringen.

Erste Weltkrieg legte Vereinstätigkeit lahm

Im Jahr 1914 legte der Weltkrieg die Vereinstätigkeit weitestgehend lahm, da der größte
Teil der Turner zum Heer einberufen wurde. Vorstand, Schriftwart und Kassier standen im Feld, und so schweigen die Protokolle in den Jahren 1914 bis 1918 völlig. Kurz nach dem Krieg wurde eine bronzene Gedenktafel mit den Namen der Toten in der Turnhalle aufgestellt als Zeichen des Dankes und der Erinnerung.

1922 wurde erstmals eine Turnabteilung gegründet

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war für das Turnwesen wieder von großer Bedeutung. Vieles wurde umgestaltet und neue Wege wurden beschritten. Das sportliche Turnen und die Leichtathletik kamen immer mehr zur Geltung und fanden Eingang bei den Übungen des Vereins. Da solche Übungen auch für das Frauenturnen geeignet erschienen, wurde 1922 eine Turnerinnenabteilung durch Vorstand Link gegründet. Auch das Jugendturnen betrieb man mit größerem Eifer. Bei den jährlichen Gauturnfesten des Bezirks, an Gauwanderungen, Gauturnfahrten und anderen sportlichen Veranstaltungen fehlten die Brackenheimer Turner nie, was die zahlreichen Preise beweisen, die sie nach Hause mitbrachten.
Die örtlichen Vereinsfeiern zu Weihnachten waren stets festliche Ereignisse für die ganze Stadt; reichhaltige Programme zeigen auf, wie neben dem Männerturnen die Gymnastik gepflegt und die Feiern durch Tänze und Reigen verschönt wurden.

50-jähriges Jubiläum war erster Höhepunkt für den Vfl nach dem Ersten Weltkrieg

Den Höhepunkt im ersten Jahrzehnt nach dem Ersten Weltkrieg bildete für den VfL Brackenheim das 50-jährige Vereinsjubiläum am 29. August 1927. Hierbei führte ein Festzug die Turner Brackenheims und der Umgebung hinaus auf den Platz bei der Schule. Dort entwickelte sich bald ein lebhaftes Festtreiben, unterbrochen von turnerischen Übungen verschiedener Vereine. Mit der Beschreibung dieses Jubiläums bricht die Vereinschronik ab. Vermutlich ging das Protokollbuch, das die Jahre 1928 bis 1932 umfasste, in den Kriegswirren verloren. Erhalten geblieben ist lediglich der Band der Jahre 1932 bis 1939.

Turnverein und VfB wurden zu VfL Brackenheim zusammengeschlossen

Im Jahre 1933 wurde der Verein auf Anordnung der nationalsozialistischen Parteileitung gleichgeschaltet und die Ämter neu besetzt. Die Vorstände waren in der Folgezeit Herr Achauer, Paul Kohler, Albert Lindenmayer und Erich Bühler. Im Jahre 1937 schlossen sich der Brackenheimer Turnverein und der Brackenheimer VfB 1922 zusammen, da in Städten unter 5000 Einwohnern nur ein Verein bestehen durfte, der sich der Leibeserziehung widmete. Das hatte eine Namensänderung zur Folge; der Verein hieß von nun an VfL 1877 und gliederte sich in Abteilungen für Turnen, Leichtathletik, Fußball, Handball und Faustball, Skilaufen, Schwimmen, Wandern und die Abteilung der Turnerinnen.

Turnstundenbesuch ließ nach - Vereinsleben blühte

In jener Zeit wurde auch die Turnhalle, die im Laufe der Jahrzehnte unansehnlich geworden war, neu hergerichtet. Wenn auch die Vereinsleitung immer aktiv blieb, so ist aus den Berichten oftmals die Klage zu lesen, dass die Zahl der Turner und der Besucher der Übungsabende infolge anderweitiger Beanspruchung stark nachließ. Sicher gab es damals auch Sorgen, Missverständnisse und Verstimmungen, aber im Ganzen blühte das Vereinsleben, wenn auch unter anderen Vorzeichen als Jahrzehnte zuvor.

Nächster Tiefschlag - der Zweite Weltkrieg - Verein erlischt 1945

Als das Vereinsleben so richtig am Blühen war, kam der zweite Weltkrieg und mit ihm ein plötzlicher Stopp, weil ein großer Teil der jungen Männer zum Heer eingezogen wurde. Die Jungen- und Frauenriegen übten im Geist des Vereins weiter, waren aber in ständiger Sorge um ihre Väter, Brüder und Vereinskameraden im Felde. Im Jahr 1945 erlosch der Verein aufgrund eines Kontrollratgesetzes der alliierten Regierung, wurde aber am 6. Februar 1946 als VfB 1922 (Verein für Bewegungsspiele) wieder eröffnet und von der Militärregierung lizenziert. Der Vorstand bestand aus Fritz Böhm, Karl Büchsler und Franz Mayer.

Ab 1954 gab es wieder den VfL Brackenheim

Erst im Jahr 1950 wurde der Turnverein wieder ins Leben gerufen, mit dem VfB vereinigt und 1954 unter dem Namen VfL 1877 e. V. Brackenheim ins Vereinsregister eingetragen.
Im Lauf der nächsten Jahre gliederte sich der VfL in Abteilungen für Leichtathletik, Fußball, Kinder-, Mädchen- und Frauenturnen sowie den Abteilungen für Schach, Tischtennis und Ski. Die Satzung lautete: Der Verein dient ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen Zwecken, im besonderen der Förderung der körperlichen Gesundheit der Allgemeinheit, vornehmlich der Jugend, durch Pflege der Leibesübungen und der Kameradschaft. Politische, rassische und religiöse Zwecke dürfen innerhalb des Vereins nicht angestrebt werden. Der Verein ist Mitglied des Württembergischen Landessportbundes e. V. und seiner Unterorganisation.